Augenheilkundliche Theorie in der Hauptstadt
Es war uns eine Herzensangelegenheit, Augenarzt Dr. Hussen Mjaliwa, unserem Partner aus dem St. Benedicts Hospital in Ndanda, die Teilnahme am 124. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), der unter dem Thema "Augenheilkunde ohne Grenzen" im September 2026 in Berlin stattfand, zu ermöglichen. Über 4.600 Teilnehmer aus den Bereichen Medizin, Forschung, Pflege und Wirtschaft kamen zu dieser wohl wichtigsten Fachtagung für Augenheilkunde im deutschsprachigen Raum. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die interdisziplinäre Vernetzung, innovative Therapiemöglichkeiten und der grenzüberschreitende wissenschaftliche Austausch.
Austausch in Münster in Praxis und Klinik
Dr. Mjaliwas mehrtägige Anreise aus dem Süden Tansanias sollte sich gleich doppelt lohnen: Nach vier Tagen voller zukunftsweisender Vorträge begrüßten ihn die Kollegen des Zentrums für Refraktive Chirurgie vom Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital und der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Münster (UKM). Beide Institutionen gewährten dem tansanischen Kollegen Einblicke in die alltägliche augenärztliche Arbeit in Deutschland.
Besuch bei den Gremien der Stiftung Augenlicht
Die turnusmäßig stattfindende Gremiensitzung der Stiftung Augenlicht, die wir kurzerhand nach Münster auf das Haus eines Kath. Studentenvereins gelegt hatten, bot die perfekte Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen. Friedrich Quante und Jürgen Kleine-Frauns (Vorstand), Dr. Raimund Balmes und Erich Lange (Beirat) sowie Gudrun Balmes (Stiftungs-Administration) waren tief beeindruckt von den Schilderungen des tansanischen Augenarztes. Unterstützt von einem Team aus Katarakt-Operateuren, Augenkrankenschwestern und Optikern sichert Dr. Hussen Mjaliwa in Ndanda die medizinische Versorgung einer schier unglaublichen Menge von Hilfebedürftige. Dr. Mjaliwa ist nur einer von zwei Augenärzten im gesamten Südwesten Tansanias. Zusammen versorgen sie zwei Millionen Menschen.
Mehr als nur medizinische Geräte
Die Augenklinik in Ndanda ist inzwischen hervorragend mit modernen Geräten ausgestattet und ermöglicht eine hochwertige Augenheilkunde. Doch um das hohe Niveau der Augenklinik aufrechtzuerhalten, braucht Dr. Hussen Mjaliwa auch gut ausgebildete Mitarbeiter. Umso dankbarer ist er für die Kostenübernahme der Facharztausbildung von Dr. James Mussumba Mbaziira, der Dr. Mjaliwas Team voraussichtlich ab Sommer 2029 bereichern wird.
Verschiedene Welten, dasselbe Ziel
Dr. Mjaliwa nimmt von seinem Besuch viele nachhaltige Eindrücke mit. Er zeigte sich sehr beeindruckt von der hochspezialisierten Maximalversorgung jedes Einzelnen hierzulande, die sich nicht mit dem Bemühen um eine essentielle Grundversorgung in seiner Heimat vergleichen lässt. Dort geht es in rund 80 Prozent der Fälle darum, an den Folgen von Grauem Star (nahezu) erblindeten Menschen durch die Entfernung der eingetrübten Linse das Sehvermögen zurückzugeben – Ein vergleichsweise einfacher Eingriff, an dem nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Sicherung der Lebensgrundlage vieler Menschen hängt. Besonders beeindruckt hat den tansanischen Arzt in Deutschland das sorgfältige sterile Arbeiten, das er im Rahmen der lokalen Gegebenheiten nun in seiner Heimat optimieren möchte.
Für die Kolleginnen und Kollegen der Stiftung Augenlicht waren die Schilderungen Dr. Hussen Mjaliwas und damit der Blick auf eine ganz andere Art der Augenheilkunde anregend und lehrreich. Sie zeigten, dass es mit Hilfe von Partnern, wie der Stiftung Augenlicht und ihren treuen Spenderinnen und Spendern, und sehr viel eigenem Engagement möglich ist, auch unter widrigen Bedingungen vielen Menschen das Augenlicht zu erhalten oder sogar zurückzugeben. Das Treffen endete mit dem großen Wunsch beider Seiten, auch zukünftig eng zusammenzuarbeiten, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.
© der Fotos: Stiftung Augenlicht + Ndanda Hospital